El Reiso grande

June 6th, 2010


cialis professional - buy cialis professional - order cialis professional - cialis professional online - purchase cialis professional Da meine Arbeit an der Schule vorbei ist, ich aber keine Lust habe, die naechsten drei Monate in meinem Dorf zu verbringen, habe ich beschlossen eine Reise zu machen. Die ersten paar Tage hat mich dabei eine Freundin, Nicole, aus meinem Dorf, eine Togolesin, begleitet.

Tag 1 – 22.5.2010 (Samstag)

Morgens mit dem Taxi nach Atakpamé. Im Hotel „Affaires Sociales“ einquartiert. Zu Fuß die Stadt erkundet. Erste Fotos. Zweifel, ob der Rucksack nicht zu schwer, das Zelt, etc., wirklich nötig sind.

Tag 2 – 23.5.2010 (Sonntag)

Morgens mit dem Taxi nach Nyamasilla. Dort mit Moto nach halbstündiger „Sitzverhandlungen“ nach Fohé. (Sitzverhandlungen meint, den viel zu hohe Preis, des leider und sich deswegen in guter Verhandlungsposition befindenden Moto-Taxifahrers konnte ich erst dadurch senken, dass ich glaubhaft zeigte, dass ich im anderen Fall einfach da sitzen bleibe.) Die restlichen 9km zu Fuß. 1H45. Dem Chef hallo gesagt. Wirklich sehr netter, offener, herzlicher Mann. Hat uns ein Zimmer bei sich angeboten, kleine Kammer auf seinem Hof. Mittags Spaziergang durchs Dorf. Tchouk (Hirse) trinken, hallo sagen. Abends kochen.
Ist das ein schönes Gefühl: an nichts denken zu müssen, als ans kochen. Das Geschehen des Hofes um uns herum, glücklich und zufrieden. Was will man mehr als dreckiger Fuesse und seine Ruhe.

Tag 3 – 24.5.2010 (Montag)

Nach dem Fruehstueck, Reis mit Nudeln von Gestern, entscheiden wir, der Einladung des Chefs  zu folgen und noch einen Tag zu bleiben. Vormittags mache ich die Fotos von ihm, welche ich ihm im Gegenzug zu seiner Gastfreundschaft versprochen habe. Der Mann war begeistert und absolut bei der Sache.
Die ganze Zeit über wurden wir, besonders ich, mit sehr viel Respekt behandelt und überaus freundlich. Das war natürlich sehr nett, es ist aber doch schon irgendwie unangenehm, wenn ein auf die 70 Jahre zugehender Dorfchef, einem da herkommenden weißen Grünschnabel den Platz anbietet, auf dem er sitzt, sich verbeugt und selbst lieber mit einem Hocker vorlieb nimmt.
Mittags und nachmittags dann sind wir ausgiebig durchs Dorf spaziert. Bei zwei, drei Kalebassen Tchouk haben wir dem Dorftreiben einen Tag lang zugesehen: ein wirklich verschlafenes Nest.

Tag 4 – 25.5.2010 (Dienstag)

Morgens mit dem Motorrad, eine Piste entlang, 50km über Pagola nach Blitta. Wir, das waren in diesem Fall: der Fahrer, sein Motorrad, zwei Rucksäcke, ein kleiner und ein großer, und Nicole und ich. Viel mehr hätte es auch nicht sein dürfen.
Ab Blitta dann mit dem Taxi nach Sokodé. In der Stadt spazieren, abends noch ein Bier und dann ab ins Bett. Nicole sauer – traurig, dass ich am Plan festhalte und erwarte, dass sie am nächsten Morgen nach hause fährt; und ich allein weiter.

Tag 5 – 26.5.2010 (Mittwoch)

Morgens noch ein Spaziergang durch Sokodé, dann um 10 Uhr, wie abgemacht, an der Tankstelle um den Bus zu treffen, der Nicole mitnehmen sollte. Um 11 Uhr kam dieser dann, obwohl es eine Stunde vorher am Telefon hieß: „Ich komme sofort!“ Manchmal könnte ich….
Ich selbst, nach weiterem Warten mit dem Taxi nach Kara, nochmals Warten, umsteigen und weiter Richtung Dapaong. Da noch Zeit (Tage zum Reisen) und es schon recht spät war, beschließe ich in Tandjouaré auszusteigen um zu sehen, wo ich für die Nacht bleiben kann. Auf dem Weg: zu beiden Seiten der Straße: immer mehr unbedecktes Grasland, zwischen den nun vereinzelten Bäumen und vielen Büschen dann immer wieder kleine Ansammlungen traditionell-runder Hütten Davor Menschen beim Kochen, Waschen, etc. Wie im Bilderbuch und doch gleich neben der Straße Ich bin mir sicher, hier kann ich nicht einfach vorbeifahren.
Nach Ankunft, dann von einem Motorfahrer der Hinweis auf eine ital. Kath. Mission, wo ich dann auch hingegangen bin um nach einem Platz für die Nacht zu fragen, welchen ich auch bekommen habe. Abendessen (europäisch) mit den Priestern.
Insgesamt zwei Italiener: Don Lucarno und Don Fabio. Jeweils für 8 und 20 Jahre in Afrika. Sie können mir, mit meinen wenigen und kurzen Erfahrungen übereinstimmend berichten, dass man auch nach solch langer Zeit immer „der Weiße“ bleibt.

Tag 6 – 27.5.2010 (Donnerstag)

Erstmal frühstücken Europäisch ausgiebig. Hier kommt mir jedes Essen wie Völlerei vor und jedes Mal so viel Fleisch, wie sonst in zwei Wochen nicht in Avetonou.
Um 9 Uhr los mit Vater Lucarno und seinem Jeep durchs Dorf, dann raus, durch einige Dörfer seiner „Paroisse“. Auf dem Weg zeigte er mir drei seiner 17 Kirchen, bis wir schließlich ins letzte Dorf kamen. Dort ließen wir das Auto stehen und gingen zu Fuß weiter, 7km durch die Pampa, bis zu einer kleinen Ansammlung von Hütten, jemandem Hallo sagen und zurück
Es ist wirklich sehr schön hier und ganz anders als im Süden: die Häuser sind größtenteils noch traditionell gebaut, sprich kreisrunde, strohgedeckte Lehmhütten, gelegentlich mit einem Teil mit Wellblechdach. Die Dörfer sehr weitläufig, ohne erkennbares Zentrum und Ende. Die Landschaft dazwischen: trocken, viele Felder, Büsche, ein paar Bäume
Nachmittags mit Vater Fabio in sein Zentrum für geistig- und körperlich behinderte Kinder.  Bei Ankunft lautes Geschrei aus dem Inneren. Einem Kind, welches seinen rechten Arm nicht richtig bewegen kann, wurde dieser fremd bewegt und gedehnt um die Beweglichkeit langfristig zu verbessern. Dabei musste es von zwei Frauen festgehalten werden und schrie wie am Spieß
Insgesamt macht das Zentrum einen sehr guten und professionellen Eindruck. Es gibt: eine Krankenstation, einen Wohnbereich für die Eltern (Mütter) mit Kindern in Behandlung, einen Wohnbereich für Schüler und Schülerinnen der nahen Grundschule, ein anderer für die Älteren aus CEG und Lycée, eine Protesenwerkstatt, einen Computerraum, zwei Werkstätten (Schreinerei und Schweißerei) zur Ausbildung einiger jugendlicher Behinderter.

Ein Tag in Togo – der ganz normale Wahnsinn – Teil II

January 30th, 2010

Nach dem Mittagessen und einer kurzen Ruhepause verlasse ich das Haus. Es ist jetzt 13h00. Ueber eine kleine, wackelnde Holzbruecke, welche den Strassengraben ueberspannt gelange ich auf die Strasse und wende mich nach rechts, Richtung Ortskern. Bis zur Hauptstrasse, also der Landstrasse, welche Lomé und Kpalimé verbindet sind es etwa 300m. Dieser Anschluss ist der Hauptgrund, warum in Avetonou ueberhaupt etwas los ist. Er ermoeglicht nicht nur einen direkten Weg in die Hauptstadt, sondern macht aus Avetonou gleichzeitig einen geeigneten Ort fuer einen Wochenmarkt.
Auf meinem Weg komme ich an den vielen kleinen Werkstaetten und Laeden vorbei, welche sich am Strassenrand niedergelassen haben. Da waere zum Beispiel Bruno, in seinem kleinen Schneideratelier, der mir freundlich zugruesst und mich fragt wohin ich gehe. Auf die Antwort : Kpalimé (gesprochen Palimé) erwiedert er, dass ich bloss schnell wiederkommen soll : Eine hiesige Redensart, denn nur wenn man schnell wiederkommt, kommt man auch gesund wieder.
Etwas weiter folgen dann ein kleiner Frisoersalon und eine Motorradwerkstatt plus mini Tankstelle : Ein lose zusammengezimmerter Bretterverschlag, eine Werkzeugkiste und ein paar in der Sonne aufgebahrten ehemaligen Schnappsflaschen, jetzt randvoll mit Benzin.
Kurze Zeit spaeter erreiche ich den wahren Ortskern : Rechts beginnt der Marktplatz, welcher heute menschenleer ist ; die Staendereihen, abwechselnd gedeckt mit Wellblech oder Palmwedeln sind verlassen und warten auf den Rummel des naechsten Mittwoch.
Gegenueber, zu meiner Linken : eine Bar und ein kleines Restaurant vor welchem mehrere Frauen gerade dabei sind Frufru zu stampfen. Sie stehen also um einen grossen Holztrog herum und schlagen in festem Rythmus auf die Maniok-Yam-Mischung darin ein.
Es folgen noch einigee kleine Tante-Emma Laedchen, vollgepackt bis unter die Decke mir wirklich Allem.
Danach noch eine Bar und dann noch eine. Getrunken wird entweder in einer hiesigen Regentonne aus Palmwein selbst-gebrannter oder  Tukutou, ein traditionelles Bier aus vergorenem Getreide, dessen Namen ich nicht kenne. Es sieht ein bischen aus wie Mais, nur dass die Koerner oben an der Pflanze an vielen Halmen wachsen. Bier in europaeischem Sinne, sowie Coca Cola gibt es auch, nur das diese mit einem Preis von fast einem Euro fast unbezahlbar sind.
An der Strasse selbst dann ein Haufen Motorradfahrer unter einem Sonnenschutz. Ich verneine die Frage ob ich mit einem von Ihnen fahren wollte und wende mich an den Taxifahrer, der neben seinem Wagen wartet. Dieser hat mich auch schon gesehen und kommt auf mich zu. Schnell ist klar, dass er und ich in die selbe Richtung wollen und winkt mich eilig zu dem noch leeren Auto, als fuerchtete er, ich koennte es mir nochmal anders ueberlegen und wieder verschwinden. Ich frage wann wir losfahren - « Sofort » - und setze mich auf den Beifahrersitz. Die Tuer lasse ich noch offen, mache es mir dann bequem : In der naechsten halben Stunde passiert hier ueberhaupt nichts.
Es bleibt mir also genug Zeit, mich noch ein bischen umzusehen und das Auto genauer unter die Lupe zu nehmen : Noch ein Aussenspiegel ist dran, dafuer zwar keine Anschnallgurte, dafuer  aber eine noch intakte Frontscheibe. Am Innenspiegel haengt ein Rosenkranz, darunter, am Amatourenbrett eine togolesische und eine amerikanische Flagge. Zwei der vier Tueren lassen sich nicht mehr oder nur noch selten von Innen oeffnen, der Kofferraum wird durch ein Gummiband zu und durch einen Stock offen gehalten. Alles in Allem also ein sehr durchschnittliches togolesisches Taxi.
Mein Blick geht weiter auf die gegenueberliegende Strassenseite : da sitzen einige Frauen im Schatten zweier grosser Baeume direkt an der Strasse und verkaufen Yams, Maniok, Fruechte und gebratene uebergrosse Ratten, sieht jedenfalls so aus. Daneben noch mehr Frauen, welche vor sich in oelgefuellten Schuesseln Gebaeck und Yamsfritten frittieren und verkaufen.
Ploetzlich kommt Bewegung ist Auto. Zwei weitere Fahrgaeste sind eingetroffen und der Fahrer ist gerade dabei deren Gepaeck in den Kofferraum zu laden : Zwei Saecke Reis und ein paar Bananen.
Eine der hinteren Tueren geht auf, die beiden setzen sich zu mir ; eine kurze Begruessung auf Ewe, dann wird zusammen weitergewartet.
Wir haben Glueck, denn kurze Zeit spaeter trifft noch eine aeltere Dame ein und der Fahrer entscheidet, dass vier Leute reichen, damit es sich fuer ihn lohnt loszufahren. Weit kommen wir allerdings nicht, denn ein paar hundert Meter weiter warten noch zwei auf ein Taxi nach Kpalimé : Hinten wird zusammengerueckt, dort sitzen jetzt vier und auch ich bekomme auf dem Beifahrersitz Gesellschaft, sodass ich mit dem Hintern bis fast auf die Gangschaltung ausweichen muss. Der Kofferraum ist mittlerweile so voll, dass sich die Tuer nicht mehr schliessen laesst und nun ganze Zwei Seile Auto und Inhalt zusammenhalten.
So beladen fahren wir dann endlich wirklich los.

Die Fahrt dauert 30min ; wir durchqueren mehrere kleine Doerfer, sowie das Bezirkshauptdorf Agou-Gare westlich des Mount Agou, den mit ca 800m hoechsten Berg von Togo. Die Strasse ist in einem fuer Togo ganz guten Zustand, das heisst die Schlagloecher machen nicht einmal ein Zehntel der Strasse aus. Das ist nicht immer so.
Der Fahrer ist damit beschaeftigt, den vielen Schlagloechern auszuweichen. Das gelingt nicht immer und ist besonders dann schwierig, wenn Gegenverkehr die intakte linke Fahrbahn versperrt. Fuer diese Faelle handelt man in Togo getreu dem Motto : “Wer bremst verliert!“ und versucht entweder mit vollgas noch vor dem Gegenvrekehr am Hindernis vorbeizukommen oder aber dahinter indem man kurz vom Gas geht. Im Zweifelsfall aber, wenn wirklich ncihts geht: mittendurch.
Da diese Strasse wie bereits angesprochen die einzige ausgebaute ueberlandverbindung der Gegend darstellt, teilen wir uns die zwei engen Spuren  mit LKW’s, anderen Taxen, privaten Autos, sowi vielen Motorraedern, Fahrraedern und auch Fussgaengern.
Zu den letzten beiden moechte ich nicht gehoeren, denn es gibt weder einen Strassengraben oder einen Gruen- oder Standstreifen auf den man im Zweifelsfrei ausweichen koennte. Neben der Strasse beginnt augenblicklich mannhohes Dickicht. Angst haette ich, da die Autos die langsameren Verkehrsteilnehmer mitunter in unter einem halben Meter Abstand ueberholen, sodass ich manchmal nur den ausgestreckten Arm aus dem Fenster halten muesste um dem ein oder Anderen die Muetze vom Kopf zu klauen.
Von Avetonou nach Kpalimé passieren wir zwei Polizeisperren, also ein paar Autoreifen, welche jeweils eine Spur versperren und ein in der Sonne doesender Soldat plus Maschinengewehr auf seinem Schoss. Einmal am Tag muss jedes Taxi, welches die Strasse benutzen will Maut bezahlen.

In Kpalimé angekommen bezahl ich dem Fahrer die ueblichen 500FCFA fuer die Fahrt und trete dann ein, in das Dickicht aus Menschn, Staenden und Waren; in das Meer von Farben, Geruechen und Eindruecken: der Markt von Kpalimé (er ist zwar nicht so gross wie in Lomé, aber trotzdem beeindruckend, besonders Samstags). Sofort werde ich umspuelt von den vielen Passanten und Verkaeufern, die ihre Waren auf dem Kopf balancieren und deren besondere Qualitaet lautstark anpreisen.
Ich gehe durch die engen Gaenge, vorbei an vielen vielen Staenden mit ihren Auslagen. Hier sind es Gemuese und Obst, dann wieder Getreide und Bohnen, dann Kochutensilien und immer wieder allerhand billigkrams aus China. Dann gibt es noch Brot zu kaufen und Gebaeck und Limonade. Ausserdem durchzieht eine ganze Armee von Eisverkaeufern den Markt: mir gerade sehr recht, denn es ist heiss.
In Togo geht man nicht nur auf den Markt um einzukaufen, sondern auch um Freunde und Verwandte zu treffen, sich zu unterhalten, irgendetwas zu essen, oder einfach ne Runde zu drehen. Besonders auf dem Land ist der Wochenmarkt das Ereignis der Woche.
Waehrend ich so vor mich hin schlender und aufpasse, niemandn umzurennen kommt es von allen Seiten an mein Ohr: „Jovo!“, „Blanc!“, „Kauf das hier!“, „Komm her!“. Mittlerweile hoere ich es schon fast gar nicht mehr und wenn doch, dann ignoriere ich es oder mache eine kurze abwehrende Geste: „Nein, Danke.“
Vom Markt aus geht es weiter zu meinem eigentlichen Ziel: dem Internetcafé. Ich ueberquere also ein grosse Strasse und passe auf, nicht von den vielen Motorraedern ueber den Haufen gefahren zu werden. Danach geht es durch kleinere Nebenstrassen. Diesmal sind es nicht die verkaeufer, sondern die vielen Motorradfahrer, die mich ansprechen und die ich dann abwehren muss. Aber ich kann es ihnen nicht uebel nehmen, denn schliesslich muessen sie davon leben und koennen froh sein, bei dieser Konkurenz bis zum Abend eine Handvoll Fahrten gemacht zu haben.
Um sich das Stadtbild Kpalimés vor sich zu haben, stelle man sich bitte viele staubige Strassen mit noch mehr Schlaglochern und vielen vielen Motorraedern vor. Dann dicht an dicht einfach gemauerte einstoeckige, manchmal zweistoeckige Haeuser mit Wellblechdach und auf allem eine Schicht Staub. Dazu gleissende Sonne und voila.
An einer Strassenecke kaufe ich noch schnell zwei frittierte Teigbaellchen, dann bin ich auch schon am Ziel. Ich trete also ein und setze mich an einen der freien Plaetze. Etwa 20 Minuten spaeter habe ich GMX geoeffnet und lese die Erste von meist vielen Emails, die ich in der letzten Woche bekommen habe; danke dafuer. Kaum bin ich unten angekommen und moechte die Naechste aufrufen, auf einmal ein schwarzer Bildschirm: Stromausfall. Da kann man nichts machen, ich lehne mich also zurueck und warte. Ein Paar minuten Spaeter leuchtet das kleine gruene Laempchen am PC wieder und er faehrt wieder hoch. Also nochmal, GMX oeffnen und die zweite Email lesen. Diesmal habe ich Glueck und das Netz versagt nicht noch einmal. Innerhalb der naechsten 20 Minuten habe ich alle Mails gelesen, keine schlechte Leistung fuer mitlerweile immerhin eine Stunde und zehn Minuten. (Natuerlich dauert es nicht immer so lange und auch der Strom faellt nicht immer aus, doch dafuer klappt es an machen Tagen auch gar nicht, sodass ich irgendwann abbrechen muss ohne auch nur eine Mail gelesen zu haben, geschweige denn beantwortet.)
Jetzt heisst es also noch ein paar Mails schreiben und dann weiter, schliesslich habe ich mir wie immer wieder zu viel vorgenommen fuer die Fahrt nach Kpalimé. Ich verlasse also das Internetcafé und bedeute dem ersten Motorradfahrer der an mir vorbeifaehrt, dass ich gerne mitgeommen werden moechte. So spare ich wenigstens ein bischen Laufzeit, denn befor es um 18 Uhr dunkel wird muss ich wieder in einem Taxi nach hause sitzen, denn das Fahren bei Nacht ist nicht nur gefaehlich, es fahren nach einer bestimmten Uhrzeit auch einfach keine Taxis mehr.
Hinten auf dem Motorrad sitzend verlasse ich den Ortskern nach Norden hin, richtung Berge, an den Rand der Stadt um meiner ersten Gastfamilie einen kurzen Besuch abzustatten. Die Fahrt dauert etwa 10 Minuten und kostet 100FCFA also ca 15 Cent.
Kaum bin ich vom Motorrad gestiegen kommen mir auch schon die Juengsten der Familie in die Arme gerannt. Kaum bin ich auf dem Hof geht die ueberschwengliche Begruessung weiter, als kehrte ich von einer langen Reise zurueck und wir haetten uns schon Jahre nicht gesehen. Das ist natuerlich nicht der Fall, das ganze ist typisch togoisch aufgesetzt und dann auch genauso schnell wieder vorbei wie es angefangen hat. Denn nach dem Austausch einiger Hoeflichkeitsfloskeln und Fragen nach dem Befinden der Familie une Freunde kehrt jeder wieder zu dem zurueck was er vor meiner Ankunft tat: also in die Kueche, in sein Zimmer oder in den allermeisten Faellen vor den Fernseher. 10 Minuten nach dem ich angekommen bin stehe ich also wieder allein auf dem Hof.
Ich lege also meinen Rucksack bei Seite und setze mich zu meiner Gastmutter auf die Veranda. Noch einmal fragt sie mich, ob es auch wirklich allen gut geht, da wo ich herkomme? Ja, sage ich, denn das ist die einzig moegliche Antwort. Die Fragen nach dem guten Befinden von Freunden und Angehoerigen gehoeren naemlich genauso zur typischen hoeflichen Begruessung, sowie deren Bejahung.
Langsam kommt ein kleines Gespraech zu Stande, doch weil ich mir eigentlich noch vorgenommen hatte, verschiedenes auf dem Markt einzukaufen, versuche ich vorsichtig anzusprechen, dass ich eigentlich nur kurz vorbeischauen wollte. Das kommt natuerlich ueberhaupt nicht in Frage und ohne dass ich etwas zu essen bekommen habe, darf ich wirklich nicht wieder gehen. Das mit der Eile sei natuerlich kein Problem, denn das Essen sei ja schon fertig und man wuerde es mir sofort bringen. Eine halbe Stunde spaeter steht es dann wirklich vor mir und ich esse, allein auf der Veranda. Danach darf ich dann ohne Probleme gehen. Ich verabschiede mich also von allen und verlasse den Hof durch das Tor auf die Strasse.
Mittlerweile ist es 17h00 und das mit dem Einkaufen kann ich vergessen. Es ist schon ein Phaenomen, doch egal wie wenig man sich fuer einen Tag vornimmt, man schafft niemals alles. Am besten also, und das lerne ich so langsam, man nimmt sich gar nichts vor.
Ein zweites Taxi bring mich zurueck in die Stadt und zum Bahnhof von Avetonou, also an die Stelle, an der die Taxis nach Avetonou abfahren. Dort werde ich genauso aufgeregt empfangen, wie seinerzeit in Avetonou, als gelte es wirklich sich zu beeilen. Die ganze Prozedur schon kennend, lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen, folge dem Fahrer zu seinem Auto wo dieser mir dann bedeutet mich auf eine Bank zu setzen und zu warten . Dort sitzt schon jemand und weil es dunkel wird bin ich zuversichtlich, dass wir in einer halben  Stunde losfahren koennen. Zu bestimmten Zeiten gegen Mittag kann es einem passieren, dass man bis zu 2 Stunden auf die Abfahrt des Taxis wartet, denn aus der Stadt raus in ein bestimmtes Dorf ist es viel schwieriger ein Taxi zu finden. Denn die meisten Taxis die jetzt losfahren, fahren nach Lome und da Lomé weit und Avetonou nicht weit entfernt, ist haetten die Fahrer, wenn sie mich mitnaehmen nur auf den letzten drei Vierteln der Fahrt einen freien Platz im Auto, an dem sie nichts verdienen wuerden.
Beim Warten dann spielt sich vor mir eine typisch Afrikanische Scene ab: Die Begegnung von zwei Freunden oder Bekannten, die sich heute zum Ersten Mal sehen. Dementsprechend lang und umfangreich faellt die Begruessung aus. Es folgt also ein langer Austausch von Hoeflichkeitsfloskeln, wobei der jeweils andere schon die Antwort kennt die gegeben werden wird, sowie die naechste Frage, deren Antwort dann wieder klar ist. Das Ergebnis ist, dass die Fragen zum Teil abgekuerzt werden oder man gar nicht mehr auf die Antwort wartet, sondern sofort weiter fragt. Da es sich um Floskeln handelt und kein wirkliches Interesse dahintersteht, ist der Ton auch recht neutral und meist gucken sich die beiden nicht einmal an. Das aendert sich schlagartig, wenn die Begruessung zu ende ist und konstatiert wurde, dass der andere kein Feind ist (so wurde mir gesagt): auf einmal kommt Leben in die Beiden und man beginnt lebhaft zu diskutieren und zu erzaehlen.
Ich kann’s nicht aendern, doch bei diesen Scenen kann ich mir ein kleines Laecheln und Kopfschuetteln nicht verkneifen.

Mit dem letzten Licht des Tages komme ich dann endlich zu hause an. Das Essen ist schon fertig: es gibt Maisbrei mit Sauce: wie immer. Nach dem Essen bereite ich dann entweder noch ein bischen Unerricht fuer den naechsten Tag vor oder ich korrigiere wie so oft in letzter Zeit die Klausuren meiner Klasse. Das ist gar nicht so leicht , denn Punkte in etwas zu finden, dass nur entfernt mit dem Thema zusammenhaengt ist schwer und einfach nur eine grosse Null drunterschreiben moechte ich nicht, auch wenn mir manchmal nichts Anderes uebrig bleibt.

Schliesslich fege ich noch mein Zimmer aus, lese etwas und falle dann um 21 Uhr todmuede ins Bett.
Bis Morgen frueh,

Thore

Ein Tag lang Thore in Togo - der ganz alltägliche Wahnsinn

December 1st, 2009

Um 4 Uhr werde ich jäh aus dem Schlaf gerissen: Irgendeine ominöse Religionsgemeinschaft, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihre Mitmenschen zu quälen, zieht mit einem Megafon bewaffnet durch die Straßen des kleinen Dorfs und verkündet lautstark ihre frohe Botschaft. Davon verstehe ich leider nicht viel (weil auf Ewe), außer den gelegentlichen Schwallen von „Halleluja“; wach bin ich aber trotzdem.
Kaum ist die Gruppe außer Hörreichweite, beginnen die Hähne mit ihrem allmorgendlichen Wettstreit. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn es ist sowieso 5 Uhr und mein Wecker klingelt.
Ich setze mich also auf und suche die Taschenlampe unter der Decke; es ist stockdunkel. Ich befreie mich aus meinem Moskitonetzkäfig durchquere mein Zimmer und betätige den Lichtschalter: zu dumm; kein Strom. Beim Schein einer Kerze und der Taschenlampe ziehe ich mich an, schließe meine Tür auf und gehe aus meinem Zimmer, raus auf den Hof. Dieser ist Wohnzimmer, Waschraum und Flur gleichzeitig. Die einzelnen Zimmer haben jeweils nur eine Tür zum Hof, in dessen Mitte ein Stroh gedeckter Pavillon steht. Schräg gegenüber von mir ist die Küche, welche ich durchquere und dann einem kleinen Gang folge, welcher mich an den Duschen vorbei hinters Haus führt: zum Klo. Dieses ist ein loser, halboffener Bretterverschlag, unter welchem eine Grube ausgehoben wurde. Ein Brett, welches das kleine Loch im Bretterboden verdeckt, spielt die Klobrille. Für das benutzte Klopapier, hier meist Zeitungspapier oder alte Schulhefte, steht ein Eimer bereit. Dessen Inhalt wird regelmäßig verbrannt, sobald dieser voll ist. Um eventuellen Fehlern beim Zielen auf das kleine Loch vorzubeugen, mache ich es wie alle Männer des Hauses und stelle mich lieber an einen nahen Baum.
Zurück auf dem Hof begegne ich meinem Gastvater Komla, welcher mit einem Handtuch um die Hüften in seiner Tür steht. Er wünscht mir einen guten Morgen, drückt mir 100 Franc CFA in die Hand, zum Wasserholen, und verschwindet dann wieder in sein Reich. Zusammen mit meinem Gastbruder Joel schnappe ich mir zwei der rostigen Schubkarren und vier 25liter Kanister und ziehe los, durch den Ort, 500m bis zu einem der wenigen Häuser im Dorf, welches über fließendes Wasser verfügt. Dort angekommen stellen wir fest, dass der Wasserdruck an diesem Morgen sehr niedrig ist und wohl bald ganz zum Erliegen kommen wird. Dementsprechend lang ist die Schlange vor dem Wasserhahn. Macht nichts: wir warten. Nach einer halben Stunde sind wir an der Reihe. Wir haben der letzten Frau vor uns geholfen ihre randvolle Wanne (etwa 25liter) auf den Kopf zu hieven und beginnen nun mit unseren Kanistern. Um die vielen Neuankömmlinge nicht unnötig lange warten zu lassen, befüllen wir der Fairness halber und den Umständen entsprechend nur zwei der vier Kanister und machen uns, nachdem wir bezahlt haben (50 Franc CFA für 50liter), wieder auf den Weg zurück.
War der Anblick eines Wasserholenden Weißen vor vier Wochen noch so neu und man hier allgemein davon überzeugt, dass Jovos (Ewe für Weißer Mann) keine körperlichen Arbeiten verrichten können, dass mein Erscheinen die Anwohner entweder dazu nötigte mir zur Hilfe zu kommen oder zum lachen brachte. Heute bekomme ich nur ein müdes „Bonjour Monsieur“.
Zuhause angekommen hat meine Gastschwester schon Für gemacht und erwärmt in einem großen Kessel Wasser zum Duschen. Ich für meinen Teil halte das für zu aufwändig und dusche lieber kalt. Heiß wird es noch früh genug werden, heute.
Ich nehme mir ein paar glühende Kohlen aus dem Für und setze in einem nebenstehenden, zum Herd umfunktionierten Blecheimer Wasser auf: fürs Frühstück. In der Zwischenzeit gehe ich duschen: Ich fülle also Wasser aus einem der Kanister in einen Eimer, nehme Seife, Handtuch und einen Becher und gehe in eine der beiden Duschen: eine kleine oben offene, gemauerte Kabine. Es ist jetzt etwa 6 Uhr, die Sonne steht kurz über dem Horizont und ich bin spät dran. Ich beeile mich also, mir mit dem Becher das kalte Wasser über den Kopf zu gießen (das erste Mal am Morgen brauch immer ein bisschen Überwindung) und seife mich ein.
Etwa fünf Minuten später komme ich aus der Dusche und gehe in mein Zimmer um mich anzuziehen. Damit fertig schmeiße ich etwas Zitronengras in das mittlerweile kochende Wasser, warte einen Moment, hole es wieder raus und gebe stattdessen Tapioka, Maniokstärke in das Wasser, welche sich binnen Minuten mit dem Wasser zu einem (wäre da nicht das Zitronengras) geschmacksneutralen aber warmen und Bauch füllenden Brei verbindet.
Diesen genieße ich mit ein bisschen stark gesüßter, zähflüssiger Kondensmilch aus der Dose, einer Banane und etwas Brot. Ihr mögt es glauben oder nicht: wirklich lecker.
Um 6 Uhr 20 müssen meine beiden älteren Gastbrüder Joel und JJ (für Jean-Jaques) und ich dann los zur Schule. Wie jeden Montag und Freitag beginnt diese eine halbe Stunde früher als sonnst um 6 Uhr 30 mit dem „Rassemblement“, einer Vollversammlung.
Ich verlasse also das Haus und wende mich nach links, Richtung Ortsausgang, auf der Hauptstraße. Dem großen Schülerstrom folgend erreiche ich nach etwa 10 Minuten die Schule. Dort sind einige der Schüler gerade dabei die Blätter wegzuräumen, welche sie zuvor zu Haufen zusammengefegt haben.
Ein Pfeifsignal verkündet den Beginn der Versammlung und die Schüler beeilen sich, sich um den Fahnenmast aufzustellen: In Reihen, nach Klassen sortiert und alle in Uniform: Hemd und Hose in Kaki für die Jungen; Ein Rock und eine weiße Bluse für die Mädchen. Kaum stehen die Schüler an ihren Plätzen, läuft der Schulchor ein, von Trommeln begleitet.
Ein weiterer Pfiff bringt jedermann zum Verstummen: Die Fahne wird gehisst. Danach wird die Nationalhymne gesungen. Kurze Zeit darauf erscheint der Schulleiter Herr Afinou mit einem Klemmbrett in der Hand. Wie jedesmal beginnt er seine morgendliche Ansprache mit einigen Unzulänglichkeiten der Schüler und Klassen. Danach kommt er wie noch jedes Mal auf das Schulgeld zu sprechen, und darauf, dass es immer noch Schüler gibt, welche dieses noch nicht bezahlt haben. Diese ermahnt er, sich zu beeilen, denn sonnst, so betont er, würde er sie mit dem Stock aus der Schule schmeißen. Derartiges habe ich zwar noch nicht miterlebt; ich habe mir aber sagen lassen, dass diese Drohung durchaus in die Tat umgesetzt wird.
Danach folgen verschiedene organisatorische Ankündigungen, dann dürfen die Schüler in ihre Klassen. Der Schulchor spielt ein zweites Mal und die Schüler laufen, einem festen System folgend; in ordentlichen Reihen in ihre Klassen.
Im Anschluss an das „Rassemblement“ treffen sich auch alle Lehrer im Lehrerpavillon, mitten auf dem Schulhof. Man gibt dem Schulleiter die Hand und es wird über organisatorisches gesprochen und Neuigkeiten verkündet. Dann, etwa um 7 Uhr 20 gehen auch die Lehrer in ihre Klassen (Das gilt für die Tage des „Rassemblements“: Montag und Freitag; den Rest der Woche beginnt die Schule um 7 Uhr, ohne vorherige Treffen).
Ich unterrichte (ausschließlich) in der Seconde A4, vergleichbar mit einer 11. Klasse in Deutschland, auch wenn das mit der Vergleichbarkeit so eine Sache ist. Die Seconde ist die erste Klasse der Oberstufe (Lycée) an wessen Ende das BAC II steht, das Togolesische Abitur. Als Teil der Oberstufe ist die Stufe aufgeteilt in eine sprachlich orientierte A-Serie und eine physikalisch-mathematisch orientierte CD-Serie.
Bis jetzt begleite ich den Mathe Lehrer Herr Degboe, einen älteren, leicht verplanten Mann mit ewig müdem Gesichtsausdruck und den Physik-Chemie (ein Fach) Lehrer Herr Akakpo: ein freundlicher junger Mann, der offen für meine Ideen ist und mich meinen Teil machen lässt.
Heute ist Chemie dran, und ich bin allein, denn Herr Akakpo ist auf einer Besprechung. Ich komme also in die Klasse und lege meine Tasche irgendwo in den schmalen Bereich zwischen Tafel und der ersten Bankreihe. Vor mir sitzen etwa 95 Schüler im Alter zwischen 15 und 25 Jahren auf 100 Plätzen. In Fächern in denen die beiden Serien nicht getrennt sind (zum Beispiel Geschichte) sitzen hier etwa 130 Schüler auf 100 Plätzen.
Meine Ankunft bewegt nur einige wenige Schüler aufzustehen, die meisten nehmen wenigstens meine Ankunft zur Kenntnis, indem sie sich langsam umdrehen und gemütlich auf ihre Plätze gehen, andere stört es überhaupt nicht.
Wäre Herr Akakpo bei mir gewesen, hätte das anders ausgesehen. Die Schüler hätten sich beeilt still auf ihren plätzen zu sein und es hätte nicht einen gegeben, der nicht aufgestanden wäre. Aber das erwarte ich auch gar nicht, ich will nur genug respektiert werden, sodass ich unterrichten kann.
Ich wünsche also einen guten Morgen und bitte die Schüler sich zu setzen. Dann packe ich für gewöhnlich meine Sachen auch und beginne meist damit, die Hausaufgaben zu besprechen, die natürlich niemand gemacht hat; nicht ausschließlich, aber auch weil jeder weis, dass ich sie nicht bestrafe, wie zum Beispiel Herr Akakpo es gemacht hätte. Aber die Arbeit 95 Häfte durchzusehen, erspart auch dieser sich meist.
Trotz meiner wenig furchteinflößenden Gestalt, gelingt es mir, die Lautstärke auf ein Minimum zu reduzieren und zu unterrichten. Dabei habe ich einen Vorteil gegenüber den hiesigen Lehrern: ich war vor Kurzem selbst noch Schüler und weis noch an welchen Stellen es normalerweise beim Verständnis hakte.
Im Gegensatz zum sonstigen Unterricht versuche ich weniger frontal zu unterrichten und die Schüler selbst auf die Lösung zu bringen. Das ist leichter gesagt als getan und hört sich erstmal ganz schön an, gelingt aber nicht wirklich. Zum einen sind die Schüler so sehr an die übliche Methode gewohnt: die Lösungen an der Tafel vorgekaut zu bekommen, dass jegliche eigene Denkanstrengung unmöglich scheint. Zum Anderen ist die Klasse auch einfach viel zu groß, sodass auch ich irgendwann, wie hier üblich, zum Diktieren gezwungen werde.
Zwei Stunden später erlöse ich dann meine Schüler und gehe begleitet von einem lauten „Tschüss!!“ der Schüler aus der Klasse.
Da ich an keinem Tag der Woche mehr als zwei Stunden Unterricht habe, begebe ich mich auf den Weg nach Hause, allerdings nicht direkt. Ich beschließe einen kleinen Spaziergang durch das Dorf und dabei einige Fotos zu machen. Meine Kamera habe ich für den Fall der Fälle immer bei mir.
Das mit den Fotos ist leichter gesagt als getan, denn die schönsten Fotos, sind die mit Menschen drauf, doch entweder unterbrechen diese im Anblick der Kamera ihre ursprüngliche und natürliche Beschäftigung oder Haltung oder aber sie wollen sich nur in stolzer Pose, gewaschen und ordentlich angemessen gekleidet photographieren lassen.
Dazu braucht es einiges an Überwindung, einfach auf irgendeinen Hof zu gehen um etwa eine alte Frau, welche gerade dabei ist Froufrou (Maniok-Yamsbrei) zu stampfen oder den Jungen, welcher in der Sonne faulenzt, um ein Foto zu bitten.
Auf meinem Weg komme ich erst durch ein paar Reis- und Maisfelder, dann durch einen kleinen Wald aus Bananenstauden und schließlich beginnt das Dorf und ich sehe viele Lehmhütten mit Strohdach oder einfache, eingeschossige Häuser mit Dächern aus Wellblech. Außerdem begegnen mir viele Menschen auf den (ungeteerten) Straßen, welche mich mit einem „Ehfoinjodeah“ (Wie geht’s?) grüssen und sich freuen, wenn ich ihnen darauf mit einem „Ehh Mefoinjoreh“ (Mir geht’s gut!) antworte. Außerdem sind da natürlich noch die unglaublich vielen Kinder, die mir jedesmal, wenn sie mich sehen (und das passiert so oft und beinahe täglich, dass man meinen sollte, es sollte langsam langweilig werden) „Jovo Jovo, Ca va, Ca va bien, merci!“ hinterher singen.
Um 11 Uhr schließlich, komme ich zuhause an. Aufgrund des Bergs von schmutziger Wäsche, die sich in der hinteren Ecke meines Zimmers stapelt, beschließe ich zu waschen. Ich nehme mir also zwei Eimer und fülle diese jeweils zur Hälfte mit Wasser. In Einem wird gewaschen (mit Seife) im Anderen wird gespült: Einseifen, Waschen, Auswringen, Spülen, Auswringen, Aufhängen.
Um 12 Uhr bin ich fertig und da kommt auch schon Koku, der eine Lehrling meines Vaters um Für zu machen und zu kochen: Ich werde ihm helfen.
Heute gibt es Reis mit Bohnen mit Sauses. Wir setzen also Wasser auf und kochen darin die Bohnen zu Matsch. Dann kommt der Reis dazu: Fertig ist es, wenn kein Wasser mehr da ist.
Was das Kochen betrifft, so ist es in Togo üblich, alles matschig zu zerkochen. Al dente hat hier keine Bedeutung. Wahrscheinlich, so meine Erklärung des Phänomens, liegt es an den vielen Keimen im Essen, die man so abzutöten versucht.
Für die Sauses zermahle ich Tomaten, Chile, Knoblauch und Ingwer zwischen zwei Steinen und gebe dieses in einen, mit gut 2cm mit Öl gefüllten Topf. Dann noch Unmengen Salz und ein Ei und fertig ist die Sauses.
Auf einmal steht Komi hinter mir und stellt mir eine Frage, auf die typisch togolesische Art, seine Sätze nicht zu beenden: „Und, biste dabei?“ – „Bei was? Komi, sags in Worten!“ Andere mögliche Fragen hätten sein können: „Wie?“ (geht es dir) oder (Fährst du heute nach) „Kpalimé?“ oder „Wohin?“ (gehst du); etc.
Hat mich diese komische Eigenart am Anfang noch gestört, lasse ich mich jetzt nicht mehr aus der Ruhe bringen.
Mittlerweile ist der Rest der Familie von der Schule zurück und wir können essen. Ich esse draußen am Tisch, mit der Hand natürlich. Mit mir am Tisch sitzen Espoir und JJ, die aus einer gemeinsamen Schale essen. Meine Gasteltern und die kleine Miriam essen im Haus, Dagato in der Küche und Joel und Koku in ihrem Zimmer.
Es ist jetzt etwa 13 Uhr 30. Heute Nachmittag fahre ich nach Kpalimé, doch das ist eine andere Geschichte.

TO BE CONTINUED


08.11.2009

November 13th, 2009

Kurzer Nachtrag zu Freitag: neuer Rekord auf dem Weg nach Kpalimé: 19 Erwachsene und 3 Kinder in einem Minivan.
Eines ist klar; ich muss mehr Touren machen und die Kamera immer dabei haben.


06.11.2009

November 13th, 2009

Es geht bergauf. Stueck fuer Stueck. Heute Doppelstunde, erst Mathe dann Chemie. In Mathe haben wir eine Klassenarbeit geschrieben. Es gab eine Gruppe A und eine Gruppe B; keine Taschenrechner, nicht reden. Ich wollte, dass jeder allein arbeitet um das, bzw. sein tatsaechliches Niveau festzustellen. Meine vielen (neuen) Regeln haben erst ein wenig fuer Verwunderung gesorgt, doch es hat ganz gut geklappt, auch wenn es nicht immer ruhig war. Mein Ziel ist es, diejenigen Schueler zu finden, welche grosse Probleme haben und ihnen dann in kleinen Gruppen zu helfen. Nach der Stunde waren die Schueler verstaendlicherweise muede und ich hatte Muehe, Ruhe zu bekommen. Ich habe festgestellt, dass lautes Schreien oder Pfeifen eher zum Gegenteil fuehrt und mich dann dafuer entschuldigt. Beim naechsten Mal, so die Einigung, werde ich ruhig um Ruhe bitten.
Dafuer baten mich dann nach der Stunde einige Schueler, ihnen zu zeigen, wie man mit zwei Fingern pfeift. Ich kam mit Ihnen ins Gespraech und denke, alles wird sich zum besseren Entwickeln. Die Schueler werden verstehen, dass ich ihnen helfen will und irgendwie werden wir meine Position finden, zwischen Schueler und Lehrer, denn eins ist klar, ich bin keins von Beidem.
Nachmittags war dann zum ersten Mal Deutschklub: Ein grosser Erfolg. Obwohl es noch ein wenig mit der Puenktlichkeit hapert, sind die Teilnehmer sehr interessiert und engagiert. Gut angekommen ist unsere lockere und etwas andere Art, mit Spielen im Freien, einem Lied zum Einstieg und Fotos aus Deutschland.
Schoen war auch zu sehen, dass im Deutschklub ranglich kein Unterschied ist zwischen Lehrern und Schuelern und Herr Aziki (wohl zum ersten Mal) durch lautes Rufen aufgefordert wurde, einer Schuelergruppe beizutreten.
Abends dann nach Palimé: Ewe-Kurs und danach noch ein Bier trinken gewesen, diesmal noch mit Commlavie und Mawuli, welche auf dem Weg zurueck die schwierige Frage stellten, warum Gott die Schwarzen arm und die Weissen reich gemacht haette? Nur in Nordafrika sei es etwas besser, aber die Menschen dort seien ja auch nicht ganz schwarz.

05.11.2009

November 13th, 2009

Der Schulleiter ist einverstanden, ab naechster Woche darf ich beginnen einer kleinen Gruppe von Schuelern der 11. Klasse Nachhilfe in Mathe zu geben. Zunaechst nur Nachmittags, sollten die Schueler frei haben, spaeter auch in ihren jeweiligen Freistunden. Das wird moeglich sein, sobald die beiden zusaezlichen Klassenraeume fertig sind und damit ein freier Raum zur Verfuegung steht.


04.11.2009

November 13th, 2009

Apropos Plaene: Was mache ich eigentlich das Jahr ueber? Was habe ich vor, welche Ziele setze ich mir?

Ich moechte einen guten Einblick in die Westafrikanische Kultur bekommen.
Ich moechte diesen Eindruck fotographisch festhalten.
Ich moechte afrikanisch kochen lernen und Ewe lernen und die hiesige Lebensweise verstehen.
Ich moechte mein Studium betreffend zu einer Entscheidung kommen.
Ich meochte lernen, was Ruhe und Geduld bedeuten.
Schliesslich moechte ich mein Jahr sinnvoll nutzen indem ich ein gutes Bild von Europa und Deutschland vermittle, den hiesigen Schuelern etwas beibringe und Alternativen zeige, etwas bleibendes hinterlasse und Kontakte fuers leben knuepfe (Das Alles natuerlich im Rahmen meiner Moeglichkeiten).
Konkret bedeutet das, dass ich versuchen will, selbst mehr Unterricht zu uebernehmen und zu gestalten, ggf. Klassen teile, Nachhilfeunterricht gebe, mich am Deutschklub beteilige und mich moeglicherweise noch anderweitig engagiere.
Hoert sich doch erstmal ganz gut an.


03.11.2009

November 13th, 2009

Warum mache ich mir eigentlich so viele Gedanken? Wo ist der Thore hin, der Entscheidungen faellt und Plaene hat, diese durchzieht und dann halt guckt was kommt, ohne sich vorher ueber Probleme den Kopf zu zerbrechen, die es noch gar nicht gibt. (Man bedenke, wie sonnst haette ich es bis nach Quebec oder Togo geschafft?) Jetzt also der Plan:

Ich lasse von jetzt an die ganzen Gefuehlsduseleien hinter mir und zerbreche mir erst dann den Kopf, wenn ich auch wirklich muss.
Ich lebe von nun an im Jetzt und nicht im Morgen. Ich konzentriere mich auf Afrika und habe meinen Spass. Tagtraeume verschiebe ich auf nachts.
Ich werde Ronja wieder sehen und was auch immer dann passieren wird ist in Ordnung.

29.10.2009

November 13th, 2009

Heute Morgen entdeckte ich auf einer meiner kleinen Erkundungstouren durch Avetonou eine kleine Weberei in der 4 Kinder im Akkord und in wahnsinniger Geschwindigkeit webten. Sehr prezise und interessant anzusehen.
Fragwuerdige Heilmethoden:
Wohl aus finanziellen Gruenden, verlaesst man sich hier auf traditionelle Heilmethoden und Grossmutters Tricks gegen alltaegliche Leiden und Krankheiten. Gegen Wurm-Parasitenbefall in den Beinen (ein Wurm, der sich unter die Haut setzt und von der Fusssohle bos hoch zur Wade wandern kann) reibt mein Gastbruder die befallene Stelle erst grossflaechig mir Schmirgelpapier ab und reibt dann Papayablaetter und Zitrone oder Salz darueber. Scheint sehr weh zu tun, aber ob es den Wurm stoert, wage ich zu bezweifeln. Malaria und Fieber wird manchmal dadurch zu bekaempfen versucht, dass man sich mit irgendeinem, viel gruenen Saft abgebenden, Kraut waescht. Darueber hinaus gibt es noch vieles weitere, was ich spaeter noch beschreiben werde, wenn ich verstanden habe, was es bringen soll.
Europa und Geld:
Wie schon oefters in der Vergangenheit habe ich versucht zu erklaeren, dass in Europa das Geld nicht vom Himmel faellt. Rechnet man detusche Gehaelter oder auch nur den minimalen Stundenlohn in FCFA um ergeben sich exorbitante Summen; doch kaum jemand hier weis, dass damit natuerlich auch die Lebenshaltungskosten steigen, sodass am Ende des Monats nicht mehr viel bleibt. Trotzdem, und das wollte ich auch niemandem ausreden, ist es sehr wahrscheinlich, dass es vielen Togoern in Deutschland besser ginge als hier in Togo. Ich versuche also lediglich in Gespraechen anhand Beispielen zu erklaeren, dass manches in Deutschland einfacher sein mag, aber es trotzdem schwierig bleibt, besonders fuer jemanden ohne Schulabschluss. Ich erzaehle ausserdem, dass man ein Visum braucht fuer Deutschland, dass ich nicht reich bin und dass ich niemanden mit nach Deutschland nehmen kann.
Zur Politik:

Viele Togoer denken; es obliegt allein Europa, ihre Situation zu verbessern. Es mag stimmen, dass Europa vieles bewegen koennte, doch fehlt es hier, meines Erachtens, an dem Verstaendnis, dass es auch moeglich waere, selbst etwas zu veraendern. So scheint es mir jedenfalls.


28.10.2009

November 13th, 2009

Langsam bildet sich ein kleiner Tagesrythmus. Ich stehe um 5 uhr auf und helfe Wasser holen oder den Hof fegen. Danach kommt es darauf an wann ich unterricht habe.
Dagato scheint sehr traurig und einsam zu sein. Ich kann ihr kaum helfen, denn ihr ab und zu etwas zusaetzlich zu essen zu geben (Brot oder Obst am Morgen; hier gibt es kein Fruehstueck) und die allabendliche (heute nicht; Dagato ist krank) Stunde Mathe sind nur Kleinigkeiten.
Es geht mir besser, schon wieder (fast) eine Woche vorbei. Heute Waescheleine aufgehaengt, Regal eingeraeumt, aufgeraeumt und Moskitonetzrahmen in Auftrag gegeben.
Heute erster Deutschklub: doch obwohl sich 90 angemeldet hatten ist niemand gekommen, wahrscheinlcih ein Missverständnis. naja, dann halt naechste Woche.